Für nachhaltige und solidarische Ernährungssysteme – auch in Krisenzeiten: Positionen, Herausforderungen und Möglichkeiten

Die Ausbreitung des Covid-19 Virus ist eine globale Gesundheitskrise, die für viele mit dramatischen Konsequenzen und bitteren Erfahrungen verbunden ist. In den vergangenen Wochen ist jedoch auch schnell klar geworden, dass die Krise weit über das Thema Gesundheit hinausreicht. Sie stellt das Funktionieren unserer Gesellschaft in vielfacher Weise in Frage.

In dieser Ausnahmesituation lastet enormer Druck auf dem Gesundheitssystem und auf jenen Menschen, die in Spitälern, Arztpraxen oder Apotheken für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit anderer sorgen.

Umso wichtiger erscheint uns als Ernährungsrat das Ziel, dass gesundes und frisches Essen für alle verfügbar und leistbar ist - insbesondere für diejenigen, deren Gesundheit am gefährdetsten ist oder die drastische Einschnitte in ihrem Einkommen hinnehmen müssen. Gutes, nahrhaftes Essen kann den Gesundheitszustand aller unmittelbar positiv beeinflussen und so mithelfen, den Druck auf Gesundheitseinrichtungen und -personal zu mindern.

Kurzfristig gilt es daher, die Versorgung mit Lebensmitteln am Laufen zu halten – und dabei sicherzustellen, dass nicht nur die wenigen bereits dominanten Konzerne der Krise trotzen können. Im Ernährungssystem Beschäftigte sind aktuell entweder mit enormen Belastungen (etwa im Handel, in der Produktion oder Verarbeitung) oder mit dem Verlust ihres Jobs oder ihrer Existenz konfrontiert (z.B. in der Gastronomie oder im Fall ausländischer ErntearbeiterInnen). Sie alle gilt es bestmöglich, auch über die nationalen Grenzen hinweg, zu unterstützen.

Mittelfristig wird ein Umdenken aller Akteure im Ernährungssystem notwendig sein. Die Bedingungen, unter denen wir derzeit leben, machen bestehende Ungleichheiten und die Krisenanfälligkeit unseres Systems deutlich und sichtbar. Eine Rückkehr zur Normalität, zum „business as usual“ kann daher nicht das Ziel sein, um das es geht. Wir fordern stattdessen ein Handeln, das nicht an Einzelinteressen ausgerichtet ist, sondern an Prinzipien der Nachhaltigkeit, der Ernährungssicherheit und -souveränität für alle.


Der Ernährungsrat Wien hat seine Arbeit an den vorliegenden Positionspapieren (und dem dazugehörigen Rahmenpapier) lange vor dem Ausbruch der Corona Pandemie begonnen. Jedoch sind die darin diskutierten, wiederkehrenden Fragestellungen, Ideen und Forderungen, wie wir unser (städtisches) Ernährungssystem nachhaltiger, widerstandsfähiger und solidarischer gestalten können, gerade auch jetzt relevant und dringend.

Wir hoffen, damit einen Beitrag zur Reflexion und Analyse eines langfristig krisenfesteren Ernährungssystems zu leisten und noch mehr Menschen zur gemeinsamen Arbeit an der Weiterentwicklung unseres Ernährungssystems zu ermutigen.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die beim Prozess zur Entstehung der Positionspapiere in den Arbeitskreisen oder mit ihrem Feedback als ExpertInnen mitgewirkt haben. Ohne sie wäre diese wichtige Arbeit nicht möglich gewesen.
Ein weiterer Dank geht in diesen Tagen natürlich auch an alle im Gesundheits- und Ernährungssystem Arbeitenden für ihren unermüdlichen Einsatz!

Wir wünschen euch allen:
Bleibt gesund! Passt gut auf Euch und andere auf!

Der Ernährungsrat Wien und seine Ziele

Der Ernährungsrat Wien ist eine Plattform zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Ernährungssystems für Wien. Er ermöglicht das Zusammenkommen der verschiedensten Akteurinnen und Akteure, vom Anfang bis zum Ende der Lebensmittel-Wertschöpfungskette und darüber hinaus. Durch diese umfassende und offene Herangehensweise werden Handlungsspielräume aufgedeckt und ausgebaut, wodurch langfristig das Ernährungssystem gestaltet und in eine sozial gerechte und ökologisch zukunftsfähige Richtung weiterentwickelt werden kann.

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