Bericht: Film- und Diskussionsveranstaltung mit Valentin Thurn

„10 Milliarden, wie werden wir alle satt?"

Wien, 22.3.2019

© Prokino

Am 22. März lud der Ernährungsrat Wien in Kooperation mit Südwind Wien in das Dachatelier des VinziRast Lokal „mittendrin“ - an dieser Stelle einen herzlichen Dank an das VinziRast-Team - zur Film- und Diskussionsveranstaltung mit dem deutschen Dokumentarfilmer, Journalist und Autor Valentin Thurn ein. Wir freuen uns, dass mehr als 50 Interessierte dieser Einladung folgten!

Unter dem Motto „Global denken, lokal essen“ und ausgehend von seinem Film „10 Milliarden, wie werden wir alle satt?“ stellte Valentin Thurn die aktuellen Trends zum Thema Welternährung vor. Während die einen auf Nachhaltigkeit, über Jahrhunderte entwickelte Anbaumethoden und standortangepasstes Saatgut bauen, setzen die anderen auf neue Technologien, wie vertical farming, In-vitro-Fleisch und gentechnisch modifiziertes Saatgut zur Ertragssteigerung.

Welchen Weg die Weltbevölkerung auch immer einschlägt, ein wesentlicher Grund zu handeln ist, dass durch eine Änderung unserer Ernährungsgewohnheiten und der Reduktion von Nahrungsmittelverschwendung rund 40% der landwirtschaftlichen Einflüsse auf den Klimawandel neutralisiert werden könnten.

Als Gründer des Ernährungsrates Köln spannte Valentin Thurn den Bogen zu lokalen Ansatzmöglichkeiten, um den globalen Herausforderungen zu begegnen. Er plädierte unter anderem für mehr regionale, saisonale und nach Möglichkeit biologisch produzierte Lebensmittel in der Versorgung von Städten. Seine Vision ist die Revitalisierung regionaler Verteilungsmöglichkeiten. Als Beispiel nannte Thurn den Bäcker im Ort, der sein Getreide vom regionalen Bauern beziehen möchte, dies aber nicht kann, da in der Nähe keine Mühlen mehr in Betrieb sind um ihm das Korn zu mahlen. Oder die Gastronomie, die gerne regionale Lebensmittel verarbeiten würde, die an der fehlenden Logistik (Transport, Verarbeitung oder Lagerung) scheitert, um Lebensmittel vom Umland in die Stadt zu transportieren. Neben der Tatsache, dass „Regionalisierung“ oder „Relokalisierung“ nicht nur auf Lebensmittelversorgung sondern auch auf Entscheidungs- und Handlungsspielräume abzielt, sei ein Knackpunk vor allem auch der „mentale“ Einfluss, den ein verstärkter Bezug zu Lebensmitteln und ihrer Produktion mit sich bringen kann.

Ernährungsräte in Deutschland und auch hier in Österreich und Wien sind aufgefordert sich diesem und vielen weiteren drängenden Themen rund um das Versorgungs- und Ernährungssystem von (Groß)Städten und ihrem Umland zu widmen und an einer gemeinsamen Vision zu arbeiten.

Im Anschluss an die durch Filmausschnitte untermalten Darstellungen von Valentin Thurn, entwickelte sich eine angeregte Diskussion, von Convenience Food in Supermarktregalen, zu der Frage, wer unseren Kindern und Jugendlichen das Kochen und die Beziehung zu Lebensmitteln vermittelt und welche Infrastrukturen und Möglichkeiten Schulen und Kindergärten dahingehend bieten, bis hin zu „ist In-vitro-Fleisch das Fleisch von morgen?“

Beteilige auch du dich mit deinen Ideen und Vorstellungen für ein gerechtes und flächendeckend nachhaltiges Ernährungssystem in deiner Stadt. Der Ernährungsrat Wien freut sich über deine E-Mail an: takt.

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